FAQs - häufige Fragen zur Zootierhaltung


Wie viele Zoos gibt es und wie viele Menschen besuchen sie?

Allein in Deutschland gibt es insgesamt über 800 Zoos. Und sie sind beliebt: Mehr als 31 Millionen Besuche haben allein die 55 Zoos des VdZ  in Deutschland im Jahr 2016 registriert. Zählt man auch die Mitglieder in Österreich, der Schweiz und Spanien hinzu, kommt man auf über 40 Millionen Besuche. Diese tollen Zahlen decken sich mit einer Umfrage, mit der der VdZ das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt hat: Danach gehen 75 Prozent der Deutschen sehr gern (24%) oder gern (51%) in den Zoo. Für fast zwei Drittel der Bevölkerung (61%) ist der letzte Besuch nicht länger als zwei Jahre her.

In den Tiergärten und Zoos unseres Verbandes kümmern sich mehr als 6.000 engagierte Mitarbeiter um insgesamt etwa 183.000 Wirbeltiere. Jeder VdZ-Zoo hält im Schnitt 52 verschiedene Säugetierarten, 54 Vogel- und 22 Reptilienarten. Dazu kommen noch durchschnittlich 34 verschiedene Fisch-, und 4 Amphibienarten, sowie  im Schnitt 12 verschiedene Wirbellosenarten.

Wie viele Tiere werden eigentlich in Zoos gehalten?

Wie steht die Bevölkerung zu Zoos?

Die Deutschen haben ein sehr klares Bild vom gesellschaftlichen Auftrag der Zoos. Laut der Forsa-Umfrage ist für 67 Prozent die Erhaltung und Zucht gefährdeter Arten „sehr wichtig“; für weitere 26 Prozent der Befragten ist diese Aufgabe „wichtig“. Dass sich Zoos – auch außerhalb ihrer Grenzen – für den Artenschutz stark machen, ist für 64 Prozent der Deutschen „sehr wichtig“; ein weiteres Drittel (31%) findet das „wichtig“. Generell sagen 81 Prozent der Bevölkerung, dass sie Zoos in Deutschland befürworten.

Viele Besucher  möchten im  Zoo etwas über Tiere und ökologische Zusammenhänge lernen: Warum ist der Erhalt der Biodiversität wichtig? Was kann ich selbst zum Natur- und Artenschutz beitragen? Die große Nachfrage nach diesen Bildungsangeboten wird durch das umfassende Angebot der Zooschulen  auf vielfältige Weise bedient. 86 Prozent der Verbandsmitglieder finanzieren daher eine Zooschule. Insgesamt arbeiten mehr als 860 Mitarbeiter in VdZ-Zoos im pädagogischen Bereich. Mit Erfolg: Mehr als 1 Million Zoobesucher nutzen jährlich das Angebot der Zooschulen, das wissenschaftliche Vorträge und Führungen beinhaltet, aber auch spezielle Angebote für Kitagruppen und Schulklassen, Feriencamps, Aktionstage und sogar Jugenduniversitäten.

Warum haben so viele Zoos inzwischen eine eigene Zooschule?

Gibt es denn Arten, die ohne Zoos inzwischen ausgestorben wären?

Ja, die gibt es. Durch den Raubbau an den Lebensräumen vieler Tierarten weltweit, durch Übernutzung und Jagd gefährdeter Arten sowie den Klimawandel und invasive Arten ist die Biodiversität weltweit gefährdet. Wissenschaftlich belegt ist aktuell die Anzahl von etwa 50 Arten (plus mehrerer Unterarten), die in der Wildnis bereits ausgestorben waren und nur in menschlicher Obhut überlebt haben. In vielen Fällen gibt es inzwischen wieder Populationen im Freiland, die sich dank vieler umfangreicher Maßnahmen langsam erholen. Dazu gehören unter anderem der Europäische Wisent, das Przewalskipferd und der Kalifornische Kondor.

Das trifft leider nicht zu, vor allem, da es für viele Arten an sicheren natürlichen Lebensräumen fehlt. Auch genetisch nicht reine Individuen aus verschiedenen Unterarten oder Handaufzuchten kommen für eine Auswilderung in die Wildnis nicht in Frage – letztere durch ihre enge Bindung an die Menschen. Allerdings ist es mit entsprechenden langfristigen und wissenschaftlich begleiteten Programmen möglich, Tiere erfolgreich auszuwildern, selbst wenn diese Programme sehr teuer sind. Heute gelingt das auch mit großen Katzenarten wie dem Persischen Leoparden – was vor Jahren noch undenkbar war. Auch Menschenaffen, Tiger und Elefanten sind inzwischen mögliche Kandidaten für Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprogramme, wie die Arbeit von Auffangstationen auf Sumatra (Orang-Utans) und Sri Lanka (Asiatische Elefanten) zeigen. Selbst wenn sich die Zoos unseres Verbandes weltweit für den Artenschutz einsetzen, indem sie unter anderem jährlich mehr als vier Millionen Euro dafür ausgeben, wollen wir gleichzeitig die jeweiligen Arten als Notanker auch in menschlicher Obhut halten, um im Bedarfsfall auf sie zurückgreifen zu können. Zoos denken an diesem Punkt auch in die Zukunft: Für Arten, die derzeit noch nicht bedroht sind, müssen in menschlicher Obhut stabile Populationen aufgebaut werden. Dass sich der Status der Tiere auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN schnell ändern kann, zeigt das Beispiel der Kattas auf Madagaskar eindrücklich. Bis vor kurzem galten sie noch nicht als bedroht, inzwischen sind sie als „stark gefährdet“ eingestuft.

Können alle Zootiere ausgewildert werden?

Verkümmern Tieren, die lange im Zoo gelebt haben, die Instinkte?

Nein, das trifft nicht zu. Denn die meisten der Instinkte sind angeboren und müssen deswegen auch nicht erlernt werden. Dies ist der Weg der Natur, das Überleben der Spezies zu sichern. Tiere gewöhnen sich bis zu einem gewissen Grad sicherlich an das Leben in menschlicher Obhut, bestimmte natürliche Verhaltensweisen werden sie aber weiter zeigen – bei großen Säugetierarten die Flucht vor Unbekanntem, Gefahren und Lärm zum Beispiel. Um die Tiere nicht zu sehr auf den Menschen zu prägen, verzichten die wissenschaftlich geführten Zoos möglichst auf Handaufzuchten, selbst wenn dadurch das Risiko steigt, dass das Aufwachsen der Jungtiere scheitert.

Natürlich bewegen sich Tiere im Zoo weniger und anders als in der Wildnis. Deshalb zielen viele Enrichment-Programme (Verhaltensanreicherungen) der wissenschaftlich geleiteten Einrichtungen auch auf Bewegungsförderung. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Tierarten in ihren natürlichen Lebensräumen nicht freiwillig oder allein aufgrund von Bewegungsdrang viele Kilometer unterwegs sind. Jagd bedeutet Stress; die notwendige Energie sparen sich die Tiere gern. Im Freiland bewegen sich die Tiere auch, um Feinden aus dem Weg zu gehen, um Partner zu finden, um soziale Spannungen zu vermeiden. Diese Faktoren werden im Zoo weitestgehend ausgeschaltet. Wichtiger als lange Wege sind deswegen zur Förderung auch immer neue Herausforderungen, wie das Verstecken des Futters, bei Menschenaffen z.B. durch sogenannte Stocherkästen.

Können Zootiere ihrem Bewegungsdrang ausreichend nachgehen?

Können die Gelder, mit denen die Kommunen zum Teil ihre Zoos unterstützen, nicht in der Wildnis zum Schutz von Arten und Lebensräumen eingesetzt werden?

Viele Tiergärten und Zoos werden in der Tat von Ländern und Kommunen finanziell unterstützt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Eintrittspreise niedrig sind und sich möglichst Besucher aller sozialer Schichten einen Zoobesuch leisten können. Übrigens: 83 Prozent der Deutschen befürworten das. (siehe unsere Umfrage). Allerdings ist die Annahme, deutsche Städte würden Budgets, die für Strukturaufbau oder Standortfaktoren wie Bildung gedacht sind, plötzlich für Artenschutzprojekte in der Wildnis im Ausland ausgeben können, realitätsfremd. Es ist zum einen weder Aufgabe der Kommunen noch in ihrem Interesse, zum anderen verhindern gesetzliche Schranken dies. Die VdZ-Zoos unterstützen über ihr eigenes Engagement hinaus weltweite Artenschutzprojekte mit mehr als 4 Millionen Euro jährlich.

Das Fernsehangebot ist so groß und vielfältig wie nie zuvor. Moderne Tierdokus werden mit hohem Aufwand und beeindruckender Technik gedreht: Drohnen, HD-Verfahren, Unterwasserkameras. Dank mobiler Technologien können wir dieses Angebot auch beinahe zu jeder Zeit quasi an jedem Ort der Welt abrufen. Doch den Zoobesuch ersetzen auch diese Angebote nicht. Nach wie vor liegt den Menschen viel am direkten Kontakt mit den Tieren, am unmittelbaren Erlebnis, bei dem alle Sinne angesprochen sind. In der vom Verband der Zoologischen Gärten beauftragten Studie gaben 25 Prozent der Befragten als einen wichtigen Grund für einen Zoobesuch die Möglichkeit an, Tiere zu erleben. Das können auch sehr gute Dokumentationen nicht leisten. Das Argument, alle an Tieren Interessierte sollten sie sich lieber im Freiland anschauen, ist auch gewagt angesichts der Tatsache, dass jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut lebt. Von dem negativen ökologischen Fußabdruck, den massenhaftes Reisen in weit entfernte, sensible Ökosysteme verursachen würde, muss man schon kaum noch sprechen – wie sollen 700 Millionen alljährliche, weltweite Zoobesuche ganz praktisch durch Reisen nach Afrika, Asien und die Arktis ersetzt werden? Außerdem kann kein einziges Reisegebiet die biologische Vielfalt offenbaren, die ein wissenschaftlich geführter Zoo mit einem Spaziergang von ein paar Stunden bietet.

Können Fernsehdokumentationen oder Reisen nicht dazu beitragen, die Aufgaben von Zoos zu erfüllen?