Natur- und Artenschutz

Wie Zoos die Biodiversität erhalten


 

Weltweit sind über 13.200 Tierarten bedroht. Allerdings kennt man mit rund 67.000 bisher auch nur einen Bruchteil aller derzeit existierenden Arten gut genug, um  ihren Bedrohungsgrad einschätzen zu können. Wissenschaftler gehen aktuell davon aus, dass es mehr als 10 Millionen Arten auf der Erde gibt. Folglich ist mindestens jede fünfte Art bedroht; bei einigen Tiergruppen wie Säugetieren oder Amphibien liegt die Quote noch deutlich höher. Dafür gibt es viele Gründe: vernichtete natürliche Lebensräume, illegaler Wildtierhandel, übermäßige Jagd, Übernutzung für vermeintliche medizinische Zwecke, Klimawandel und andere mehr. Der Erhalt der Biodiversität  ist aber die Lebensgrundlage für uns Menschen. Die Antwort der Vereinten Nationen auf viele globale Probleme ist die Entwicklung der Sustainable Development Goals (SDGs). Nur wenn es uns gelingt, den massiven Verlust der Biodiversität zu stoppen, haben zukünftige Generationen eine Chance zu überleben.

 

"Save them, breed them, keep them safe and then - if there still is a 'there' to put them back into - put them back there."

Gerald Durrell, britischer Zoologe

 

Angesichts dieser Tatsache kommt den Zoos eine große Bedeutung zu: Sie halten, züchten und erforschen Tierarten. Durch das in ihnen vereinte Fachwissen und ihre Tierbestände ist es ihnen gelungen, in der freien Natur bereits ausgerottete Tierarten zu erhalten.  Darüber hinaus investieren viele Zoos aktiv in den Artenschutz: VdZ-Zoos etwa bringen jährlich über vier Millionen Euro für nationale und internationale Natur- und Artenschutzprojekte auf und engagieren sich mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden für den Erhalt der biologischen Vielfalt.

 

Im Durchschnitt 178 Tierarten

178 Tierarten werden in den Zoos des VdZs im Durchschnitt gehalten – fast jede fünfte dieser Arten ist in der  freien Wildbahn bedroht. Etwa 50 Tierarten, die in der Natur bereits ausgestorben sind, haben durch die Arbeit von Zoos bisher überlebt. Für sie waren die zoologischen Gärten die letzte Rettung. Dabei widmen sich die Zoos in ihrer Arbeit nicht nur den großen, charismatischen Tierarten, sondern auch den kleinen oder unscheinbaren. Zudem betreiben 19 Zoos, die im VdZ organisiert sind, eine Auswilderungsstation. Hier werden verletzte oder aufgefundene einheimische Wildtiere behandelt und wieder in die Natur entlassen.

In den VdZ-Anlagen finden bedrohte Tierarten nicht nur einen sicheren Ersatzlebensraum. Mithilfe von aktuell mehr als 200 Europäischen Erhaltungsprogrammen (EEPs) und Europäischen und internationalen Zuchtbüchern bemühen sich Zoos, den Erhalt vieler bedrohter Tierarten zu gewährleisten. Unter günstigen Umständen können einige Nachzuchten in aufwendigen Projekten in die Natur entlassen werden. Allein 2016 wurden von den VdZ-Zoos 350 Tiere aus 28 Arten in Deutschland, in Europa und weltweit wieder ausgewildert. So wurden zum Beispiel in Deutschland unter Beteiligung des Opel-Zoos in Kronberg nachgezüchtete Europäische Nerze und Europäische Wildkatzen ausgewildert, mit Hilfe des Tierparks Görlitz Jungkraniche oder Moorenten durch den Grünen Zoo Wuppertal. Für über 100 Jungtiere der Amboina-Scharnierschildkröte – gezüchtet im Internationalen Zentrum für Schildkrötenschutz im Allwetterzoo Münster – laufen die Vorbereitungen zur Auswilderung in einem geschützten Gebiet in Kambodscha. Eine der größten Erfolgsstorys bisher, unter Beteiligung der VdZ-Mitgliederzoos München und Berlin, ist der gelungene Aufbau einer Population von Przewalski-Pferden in der Mongolei, nachdem diese zwischen den 1960er und 1990er-Jahren als bereits in der Wildnis ausgestorben galten.

Zusätzlich sindzoologische Gärten auch mit eigenen Projekten zum Natur- und Artenschutz in allen Teilen der Welt aktiv: Häufig fördern die Zoos Projekte für das Überleben solcher Tierarten, die in der eigenen Einrichtung gehalten werden. Die Zootiere übernehmen dann eine wichtige Aufgabe als Botschafter für ihre in der Wildnis lebenden, bedrohten Artgenossen.

 

Forschung im Zoo fördert Erkenntnisse für den Artenschutz

Auch im Bereich Forschung leisten die VdZ-Zoos bedeutsame Arbeit für den Natur- und Artenschutz und fördern biologisches Grundwissen: Untersuchungen zum Verhalten und dem Hormonhaushalt von Tieren, ihrer Fortpflanzung und Biologie oder zu geeigneten Formen der Besenderung, um die Tiere in der Wildnis wieder zu finden und Aussagen über ihre Lebensraumnutzung zu machen, geben wichtige Antworten auf Fragen, die die spätere Arbeit zum Schutz der Tierarten in ihren natürlichen Lebensräumen erleichtert.

Der VdZ mit seinen Mitgliederzoos ist in internationalen Zuchtprogrammen für den Artenerhalt vernetzt und kooperiert eng mit Regierungen und NGOs wie der Stiftung Artenschutz, der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz ZGAP, der Weltnaturschutzunion IUCN, der Conservation Planning Specialist Group der IUCN, dem WWF oder der Deutschen Wildtier Stiftung.


Fotos: Kölner Zoo/iStock