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Pustelschwein, Waldrapp oder Philippinen-Krokodil

Verband der Zoologischen Gärten setzt sich für bedrohte Tierarten ein

Berlin, 28.12.2022 – Moderne Zoos in Deutschland sind Artenschutzzentren. Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) setzt aktuell mit seinen Mitgliedern vielfältige Maßnahmen um – von Auswilderungsprojekten und Zuchtprogrammen für gefährdete Arten bis hin zur Aufnahme hilfsbedürftiger Tiere. So haben die VdZ-Zoos in 2021 fast 5.000 hilfsbedürftige Tiere aufgenommen, gepflegt und so weit möglich wieder in ihren Lebensraum zurückgebracht. Darüber hinaus wurden in der gleichen Zeit insgesamt 417 Tiere aus 17 Säugetier-, Vogel- und Reptilienarten in aufwendigen Projekten ausgewildert, darunter der vom Aussterben bedrohte heimische Waldrapp aber auch tropische Tiere wie das Philippinen-Krokodil. Das Montrealer UN-Artenschutzabkommen, das erst Mitte Dezember beschlossen wurde, eröffnet jetzt neue Möglichkeiten, Bestände auch in ihrem ursprünglichen Lebensraum wieder zu stärken.

 

„Bisher war es oft nicht sinnvoll, Tiere in ihrem ursprünglichen Lebensraum wieder anzusiedeln. Häufig wurde dieser durch den Menschen, durch Überfischung, Verschmutzung oder ähnliches zerstört. Wenn es uns jetzt gelingt, Lebensräume zu schützen und den Arten ein natürliches Ausbreiten zu ermöglichen, dann sind wir einen großen Schritt weiter“, erklärt Volker Homes, Geschäftsführer Verband der Zoologischen Gärten. „Das Weltnaturabkommen hat den Meilenstein gelegt. Wir Zoos übernehmen mit Freude Verantwortung und stehen bereit, die Artenvielfalt wieder mit aufzubauen.“ 

 

Neben ihren Kernaufgaben, der Haltung, Züchtung und Forschung, konnten die VdZ-Zoos in 2021 mit mehr als 9 Millionen Euro Naturschutzprojekte in der Wildnis unterstützen. Mehrere dieser Projekte setzte die VdZ-nahe Stiftung Artenschutz weltweit um. Viele Gelder stammen aus dem Artenschutzeuro, den die Zoobesuchenden inzwischen in fast 20 Zoos des VdZ zusätzlich zum Zooeintritt zahlen können. Das Geld fließt direkt in spezielle Artenschutzprojekte im ursprünglichen Lebensraum der Tiere, die die Zoos teilweise bereits seit Jahren unterstützen.

 

„Der Artenschutzeuro zeigt, wie gut wir die Menschen informieren, weiterbilden und wie bedeutsam Artenschutz für die Besucherinnen und Besucher inzwischen ist. Bei uns können Besucherinnen und Besucher das Verhalten, das Aussehen bis hin zum Geruch der Tiere kennenlernen“, bekräftigt der VdZ-Geschäftsführer. „Damit wächst das Bewusstsein für bedrohte Tierarten, wie zum Beispiel dem Pustelschwein. Das Zootier des Jahres 2022 wurde so bekannter und konnte mit mehreren Projekten in Südostasien unterstützt werden.“

 

Artenschutz als Teamarbeit

Rund eine Million Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, ist keine Aufgabe für einen Alleingang. So gibt es beispielsweise ein Unterstützungsnetzwerk für bedrohte Pustelschweinarten mit vielfältigen internationalen Anstrengungen auf den Philippinen und in Indonesien sowie auch bei den VdZ-Mitgliederzoos. Dort können Besucherinnen und Besucher die gefährdeten Pustelschweine erleben.

 

Um Vorhaben erfolgreich umzusetzen, ist der Verband der Zoologischen Gärten vielfach vernetzt. So leiten VdZ-Mitglieder 29 internationale und 79 europäische Erhaltungszuchtprogramme. Sie tauschen Tiere teils weltweit aus, um den Genpool gesund zu halten und möglichst optimal zu verbreiten und handeln damit ganz im Sinne des „One-Plan-Approachs“ der Weltnaturschutzunion (IUCN). Der „One-Plan-Approach“ fasst alle Aktivitäten zusammen, die dem Erhalt von Arten dienen. Tierbestände in der Wildnis und in menschlicher Obhut werden in ihrer Gesamtheit betrachtet. Häufig sind Wildtierbestände in ihrem Lebensraum so isoliert, dass nur der Transfer durch den Menschen die Bestände groß genug hält, damit sie überleben können. Der Zooverband kooperiert auch mit privaten Tierhaltern im Programm Citizen Conservation, um noch mehr Arten zu schützen. Der VdZ ist zudem Mitglied in der IUCN, der ältesten und größten internationalen Naturschutzorganisation und beteiligt sich mit seinen Mitgliedern an den wissenschaftlich gesteuerten Maßnahmen zum Erhalt viele Tierarten. Projekte, die durch das UN-Artenschutzabkommen jetzt realistischere Perspektiven haben.

 

Über den VdZ

Der Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) e.V. mit Sitz in Berlin ist die führende Vereinigung wissenschaftlich geleiteter Zoologischer Gärten. Rund 45 Millionen Menschen besuchen jährlich die 71 VdZ-Zoos, mehr als eine Million profitiert von den besonderen Bildungsangeboten der Zoos in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Geschäftsführer des Verbands ist Volker Homes und Präsident ist Prof. Dr. Jörg Junhold, Direktor des Zoo Leipzig. Der 1887 gegründete VdZ ist der weltweit älteste Zoo-Verband und gab den Anstoß zur Gründung des Weltzooverbands WAZA.