FAQs - häufige Fragen zur Zootierhaltung


Wie viele Zoos gibt es und wie viele Menschen besuchen sie?

Allein in Deutschland gibt es insgesamt wahrscheinlich über 800 Zoos, längst nicht alle sind dabei große Einrichtungen. Und beliebt sind sie: Mehr als 36 Millionen Besuche haben allein die 56 Zoos des VdZ  in Deutschland im Jahr 2019 registriert. Zählt man auch die Mitglieder in Österreich, der Schweiz und Spanien hinzu, kommt man auf über 45 Millionen Besuche. Diese tollen Zahlen decken sich mit einer Umfrage, mit der der VdZ das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt hat: Danach gehen 75 Prozent der Deutschen sehr gern (25%) oder eher gern (50%) in den Zoo.

In den Tiergärten und Zoos unseres Verbandes kümmern sich mehr als 6.000 engagierte Mitarbeiter um insgesamt fast 200.000 Wirbeltiere. Jeder VdZ-Zoo hält im Schnitt 52 verschiedene Säugetierarten, 49 Vogel- und 20 Reptilienarten. Dazu kommen noch durchschnittlich 28 verschiedene Fisch-, und 5 Amphibienarten, sowie  im Schnitt 12 verschiedene Wirbellosenarten.

Wie viele Tiere werden eigentlich in Zoos gehalten?

Wie steht die Bevölkerung zu Zoos?

Die Deutschen haben ein sehr klares Bild vom gesellschaftlichen Auftrag der Zoos. Laut der Forsa-Umfrage ist für 65 Prozent die Erhaltung und Zucht gefährdeter Arten „sehr wichtig“; für weitere 28 Prozent der Befragten ist diese Aufgabe „wichtig“. Dass sich Zoos – auch außerhalb ihrer Grenzen – für den Artenschutz stark machen, ist für 55 Prozent der Deutschen „sehr wichtig“; ein weiteres Drittel (36%) findet das „wichtig“. Generell sagen 82 Prozent der Bevölkerung, dass sie Zoos in Deutschland befürworten.

Viele Besucher möchten im  Zoo etwas über Tiere und ökologische Zusammenhänge lernen: Warum ist der Erhalt der Biodiversität wichtig? Was kann ich selbst zum Natur- und Artenschutz beitragen? Die große Nachfrage nach diesen Bildungsangeboten wird durch das umfassende Angebot der Zooschulen  auf vielfältige Weise bedient. 86 Prozent der Verbandsmitglieder finanzieren daher eine Zooschule.

Warum haben so viele Zoos inzwischen eine eigene Zooschule?

Gibt es denn Arten, die ohne Zoos inzwischen ausgestorben wären?

Ja, die gibt es. Durch den Raubbau an den Lebensräumen vieler Tierarten weltweit, durch Übernutzung und Jagd gefährdeter Arten sowie den Klimawandel und invasive Arten ist die Biodiversität weltweit gefährdet. Wissenschaftlich belegt ist aktuell die Anzahl von etwa 50 Arten (plus mehrerer Unterarten), die in der Wildnis bereits ausgestorben waren und nur in menschlicher Obhut überlebt haben. In vielen Fällen gibt es inzwischen wieder Populationen im Freiland, die sich dank vieler umfangreicher Maßnahmen langsam erholen. Dazu gehören unter anderem der Europäische Wisent, das Przewalskipferd und der Kalifornische Kondor.

Das trifft leider nicht zu, vor allem, da es für viele Arten inzwischen an sicheren natürlichen Lebensräumen fehlt. Auch genetisch nicht reine Individuen aus verschiedenen Unterarten oder Handaufzuchten kommen für eine Auswilderung in die Wildnis nicht in Frage – letztere durch ihre enge Bindung an die Menschen. Allerdings ist es mit entsprechenden langfristigen und wissenschaftlich begleiteten Programmen möglich, Tiere erfolgreich auszuwildern, selbst wenn diese Programme sehr teuer sind. Heute gelingt das auch mit großen Katzenarten wie dem Persischen Leoparden – was vor Jahren noch undenkbar war. Auch Menschenaffen, Tiger und Elefanten sind inzwischen mögliche Kandidaten für Auswilderungs- und Wiederansiedlungsprogramme, wie die Arbeit von Auffangstationen auf Sumatra (Orang-Utans) und Sri Lanka (Asiatische Elefanten) zeigen. Selbst wenn sich die Zoos unseres Verbandes weltweit für den Artenschutz einsetzen, indem sie unter anderem zuletzt jährlich mehr als acht Millionen Euro dafür ausgaben, wollen wir gleichzeitig die jeweiligen Arten als Notanker auch in menschlicher Obhut halten, um im Bedarfsfall auf sie zurückgreifen zu können. Zoos denken an diesem Punkt auch in die Zukunft: Für Arten, die derzeit noch nicht bedroht sind, müssen in menschlicher Obhut stabile Populationen aufgebaut werden. Dass sich der Status der Tiere auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation IUCN schnell ändern kann, zeigt das Beispiel der Kattas auf Madagaskar eindrücklich. Bis vor kurzem galten sie noch nicht als bedroht, inzwischen sind sie als „stark gefährdet“ eingestuft.

Können alle Zootiere ausgewildert werden?

Verkümmern Tieren, die lange im Zoo gelebt haben, die Instinkte?

Nein, das trifft nicht zu. Denn die meisten der Instinkte sind angeboren und müssen deswegen auch nicht erlernt werden. Dies ist der Weg der Natur, das Überleben der Spezies zu sichern. Tiere gewöhnen sich bis zu einem gewissen Grad sicherlich an das Leben in menschlicher Obhut, bestimmte natürliche Verhaltensweisen werden sie aber weiter zeigen – bei großen Säugetierarten die Flucht vor Unbekanntem, Gefahren und Lärm zum Beispiel. Um die Tiere nicht zu sehr auf den Menschen zu prägen, verzichten die wissenschaftlich geführten Zoos möglichst auf Handaufzuchten, selbst wenn dadurch das Risiko steigt, dass das Aufwachsen der Jungtiere scheitert.

Natürlich bewegen sich Tiere im Zoo weniger und anders als in der Wildnis. Deshalb zielen viele Enrichment-Programme (Verhaltensanreicherungen) der wissenschaftlich geleiteten Einrichtungen auch auf Bewegungsförderung. Allerdings darf man nicht vergessen, dass Tierarten in ihren natürlichen Lebensräumen nicht freiwillig oder allein aufgrund von Bewegungsdrang viele Kilometer unterwegs sind. Jagd bedeutet Stress; die notwendige Energie sparen sich die Tiere gern. Im Freiland bewegen sich die Tiere auch, um Feinden aus dem Weg zu gehen, um Partner zu finden, um soziale Spannungen zu vermeiden. Diese Faktoren werden im Zoo weitestgehend ausgeschaltet. Wichtiger als lange Wege sind deswegen zur Förderung auch immer neue Herausforderungen, wie das Verstecken des Futters, bei Menschenaffen zum Beispiel durch sogenannte Stocherkästen.

Können Zootiere ihrem Bewegungsdrang ausreichend nachgehen?

Können die Gelder, mit denen die Kommunen zum Teil ihre Zoos unterstützen, nicht in der Wildnis zum Schutz von Arten und Lebensräumen eingesetzt werden?

Tiergärten und Zoos werden in der Tat von Ländern und Kommunen finanziell unterstützt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Eintrittspreise niedrig sind und sich möglichst Besucher aller sozialer Schichten einen Zoobesuch leisten können. Übrigens: 83 Prozent der Deutschen befürworten das. (Link Forsa). Allerdings ist die Annahme, deutsche Städte würden Budgets, die für Strukturaufbau oder Standortfaktoren wie Bildung gedacht sind, plötzlich für Artenschutzprojekte in der Wildnis im Ausland ausgeben können, realitätsfremd. Es ist zum einen weder Aufgabe der Kommunen noch in ihrem Interesse, zum anderen verhindern gesetzliche Schranken dies. Die VdZ-Zoos unterstützen über ihr eigenes Engagement hinaus weltweite Artenschutzprojekte mit rund 8 Millionen Euro jährlich.

Das Fernsehangebot ist so groß und vielfältig wie nie zuvor. Moderne Tierdokus werden mit hohem Aufwand und beeindruckender Technik gedreht: Drohnen, HD-Verfahren, Unterwasserkameras. Dank mobiler Technologien können wir dieses Angebot auch beinahe zu jeder Zeit quasi an jedem Ort der Welt abrufen. Doch den Zoobesuch ersetzen auch diese Angebote nicht. Nach wie vor liegt den Menschen viel am direkten Kontakt mit den Tieren, am unmittelbaren Erlebnis, bei dem alle Sinne angesprochen sind. In der vom Verband der Zoologischen Gärten beauftragten Studie gaben fast zwei Drittel (65 Prozent) an, dass selbst ein guter Tierfilm nicht dieselbe Erfahrung bietet wie ein Zoobesuch. Auch ein Virtual-Reality-Zoo kommt als Ersatz kaum in Frage: Hier antworteten 68 Prozent mit „Nein“.

Können Fernsehdokumentationen oder Reisen nicht dazu beitragen, die Aufgaben von Zoos zu erfüllen?

Führt die Haltung von Tieren in Zoos nicht zu Inzucht?

 

Zoos sind sehr daran interessiert, gesunde Population der ihnen anvertrauten Tiere aufzubauen und zu erhalten. Schlussendlich ist dies eine von den Gesetzgebern vorgegebene Aufgabe, unter anderem im Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Zoorichtlinie geregelt. Deswegen wird durch die Koordination mithilfe von internationalen Zuchtbüchern sehr genau darauf geachtet, dass sich keine Tiere verpaaren, die zu eng miteinander verwandt sind. Über die international vernetzte Zoowelt und den Tausch von Tieren unter den Zoos ist dies sichergestellt. Auch Hybride und Unterarten sind durch bessere technische Möglichkeiten und neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der Genetik inzwischen besser unterscheidbar – sowohl im Zoo als auch im Freiland.

Sie haben oft Gelegenheit dazu: Jährlich versorgen die Experten des Verbandes rund 3.300 verletzte und hilfsbedürftige Wildtiere, die in den Zoo gebracht und nach Möglichkeit wieder ausgewildert werden. Genauso sind Zoos zur Stelle, wenn der Zoll Wildtiere beschlagnahmen muss oder wenn bei Privatleuten unzureichende Bedingungen für die Tiere entdeckt werden. Zoologische Amtshilfe wird auch oft angefragt, wenn es um die Bestimmung von Wildtieren oder die Kontrolle der Tierhaltung in Zirkussen geht.

Können Pfleger und Tierärzte ihre Expertise auch anderswo nutzen?

Stehen Zoos wirklich für Artenschutz?

Natürlich leben im Zoo auch Tiere, die nicht unmittelbar vom Aussterben bedroht sind. Denn neben dem Artenschutz haben Tierparks und zoologische Gärten eine weitere Hauptaufgabe: Bildung. Anhand von Tierarten aus verschiedenen Erdteilen können die Besucher viel über ökologische Zusammenhänge erfahren: Wie funktionieren die Biotope in der ursprünglichen Heimat der Tiere? Wie stark sind sie durch den Menschen bedroht? Was kann jeder Einzelne tun, um die Situation zu verändern? Insofern bieten die Tiere ein einzigartiges Schaufenster in die Natur. Zudem stellt der voranschreitende Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Erde ein immenses Problem dar: Von einer stabilen Population einer Art in der Wildnis bis zu einem bedrohlichen Zustand für diese Tiere kann es sehr schnell gehen. Auch Giraffen, Eisbären und Schuppentiere waren vor 50 Jahren noch nicht so stark von der Ausrottung bedroht wie heute. Insofern ist es also wichtig, vielfältige Reservepopulationen in Zoos aufzubauen, bevor sich der Bedrohungsstatus in der Wildnis verändert und es dann zu spät wäre für die jeweilige Art.

Natürlich tun sie das. Zuletzt gaben die Zoos des Verbandes jährlich mehr als 140 Millionen Euro für moderne Anlagen und mehr Tierwohl aus. Dazu gehören sowohl die Gehege selbst mit zum Beispiel angereicherten Strukturen wie auch moderne Lüftungs- und Filteranlagen – alles auf wissenschaftlicher Basis und alles immer für mehr Tierwohl.

Investieren Zoos überhaupt in ihre Infrastruktur?

Warum können Zootiere nicht einfach in der Freiheit leben?

Wer dies auf diese Weise formuliert, überträgt (unbewusst) menschliche Maßstäbe auf die Tiere: Für sie ist die Haltung in menschlicher Obhut kein Freiheitsentzug, sondern der Lebensraum, in den sie häufig bereits hineingeboren worden. Bernhard Grzimek ist vor vielen Jahren nach dem Glücklichsein der Zootiere gefragt worden und seine Antwort lautete: „Sie sind nicht so unglücklich im Zoo und nicht so glücklich in der Wildnis.“ Dass Zootiere ihre Gehege nicht als Gefängnis, sondern als eigene Reviere annehmen, sieht man beispielsweise daran, dass sie sie wie in der Wildnis auch verteidigen oder ihre Grenzen abschreiten – wenn sie entsprechend gestaltet sind. Es gibt darüber hinaus auch Tiere, die ihre Gehege verlassen könnten, es aber nicht tun. Einige Menschen sind der Ansicht, die anscheinend „gelangweilten“ Tiere seien Ausdruck ihres Alltags als „Gefangene“. Dabei ruhen oder schlafen die meisten Arten auch in der Natur über längere Abschnitt des Tages – Löwen zum Beispiel über 20 Stunden pro Tag. Es ist der natürliche Weg, Energie zu sparen.

Das können sie. Weil sie viele verschiedene Arten halten, stellen sie einzigartige Forschungsorte dar – sei es durch Zugang zu biologischen Proben, Wildtieren oder als Quelle für langjährige Datensammlungen zu allen Zootieren.  Von 2008 bis 2018 entstanden auf diese Weise mithilfe der VdZ-Zoos mehr als 1.000 wissenschaftliche Studien zu verschiedenen Themen; jährlich kommen etwa weitere 200 hinzu.

Können Wissenschaftler vom zoologischen Artenreichtum profitieren?

Sterben Zootiere nicht viel früher als ihre wildlebenden Artgenossen?

Pauschal trifft dies nicht zu. Sicherlich sterben auch im Zoo Tiere an Krankheiten und im jungen Alter, genau wie in der Wildnis. Allerdings sorgen die hervorragende medizinische Versorgung, die Abwesenheit von Rivalen und Fressfeinden, die ständige Versorgung mit Futter dafür, dass viele Tiere in der Regel deutlich älter werden als ihre wildlebenden Artgenossen. Forscher fanden heraus, dass es vor allem für die Tiere mit eher kurzen Lebensspannen einen „Zooeffekt“ gibt; das heißt, dass sie am stärksten vom Schutz in menschlicher Obhut profitieren. Demnach konnten für mehr als 80 Prozent der untersuchten Säugetierarten längere Lebenszyklen im Zoo nachgewiesen werden, unter anderem für alle der untersuchten Fleischfresser. Kritiker werfen Zoos auch gern vor, dass die Sterblichkeit bei den Jungtieren hoch sein soll, sogar höher als in der Wildnis. Natürlich kommt es auch in Tierparks und Zoos zu toten Jungtieren, etwa wenn es erstgebärenden Muttertieren an Erfahrung fehlt. Dennoch sind die Chancen für das Überleben im Zoo deutlich besser. In der Hudson Bay beispielsweise konnte man an Eisbären nachweisen, dass von den im Frühjahr geborenen Jungtieren 56 Prozent im Herbst bereits nicht mehr lebten. Und dabei kann man nicht genau wissen, wie viele Jungtiere bereits in den tief im Schnee liegenden Aufzuchthöhlen ums Leben kamen. Insgesamt steht fest, dass 85 Prozent der in der Wildnis geborenen Eisbären nicht einmal zwei Jahre alt werden. Innerhalb des Zuchtprogramms lässt sich jedoch nachweisen, dass bei rund 50 Prozent der im Zoo geborenen Eisbären die Aufzucht gelingt – sie erreichen das Erwachsenenalter.

Das tun sie nach eigener Aussage: Mehr als zwei Drittel geben in einer repräsentativen Forsa-Umfrage an, bei ihrem letzten Zoobesuch viel oder sogar sehr viel über Tiere gelernt zu haben. Die Zooschulen im Verband bemühen sich mit vielfältigen Programmen um Abwechslung und Erkenntnisgewinn und lebenslanges Lernen – seien es Kindergartengruppen, Studenten oder Biologielehrer auf Fortbildung. Zuletzt nahmen jährlich 1,2 Millionen Menschen an 171.000 verschiedenen Bildungsangeboten der VdZ-Zoos teil.

Lernen die Menschen eigentlich etwas im Zoo?

Sind Zoos überhaupt wirtschaftlich?

Es trifft zu, dass viele Tiergärten und Zoos in unterschiedlichem Maße von ihren Kommunen, Regionen oder Bundesländern finanziell gestützt werden. Allerdings ist dies politischer Wille: Über die Zuschüsse soll sichergestellt werden, dass die Eintrittspreise möglichst gering sind und sich so viele Menschen wie möglich einen Besuch im Zoo leisten können. Und für 82 Prozent der Deutschen ist laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage eine Förderung der Zoos durch die öffentliche Hand auch völlig in Ordnung. Viele Menschen, die sich für Artenschutz interessieren, spenden darüber hinaus auch an Zoos oder übernehmen Tierpatenschaften. Zoos müssen also zum Glück gar nicht auf jeden Euro spekulieren.

Die Zoos des Verbandes beobachten immer wieder, dass ihre Besucher zufrieden und sogar begeistert sind – ihnen liegen die Tiere, der Artenschutz und der wissenschaftliche Ansatz moderner Tierhaltung am Herzen. Dabei ist vielen Gästen bewusst, dass Zoos nur ein Ersatzlebensraum für die Tiere sind – und eben nicht die Natur. Vor diesem Hintergrund ist umso erstaunlicher und motivierender, dass 80 Prozent der Deutschen sagen, durch den letzten Zoobesuch habe sich ihre Wertschätzung für Tiere vergrößert.

Zoos sind Überzeugungstäter - aber können sie auch überzeugen?