Statement des Verbandes zu den französischen Vorschlägen

Der Verband der Zoologischen Gärten erkennt einen erschreckenden Paradigmenwechsel im Artenschutz. Immer öfter müssen Tiere aus ihren ursprünglichen Lebensräumen gerettet und in menschliche Obhut überführt werden, um Arten oder regionale Populationen vor der Ausrottung zu bewahren. Zwei Tiergruppen sind von dieser Entwicklung ganz besonders und akut betroffen. Da ist zum einen der Feuersalamander, der in Deutschland ohne menschliche Obhut kaum noch zu retten ist. Weit überraschender ist die Gruppe der Delphine, die weltweit unter starkem Druck steht. Für Küsten- und Flussdelfine wird das Überleben immer unwahrscheinlicher. Mit dem Baji, dem chinesichen Flussdelfin ist die erste Art für immer verschwunden. Der mexikanische Vaquita wird der nächste sein. Von dieser Art werden noch neun Tierindividuen vermutet. Entsprechend eindringlich und dringlich formuliert die Weltnaturschutzunion IUCN in ihrem jüngsten Bericht die Notwendigkeit, alle Schutzoptionen für die sieben stark bedrohten Delphinarten zu nutzen. Dazu gehört auch die Aufnahme in menschliche Obhut und die Versorgung von Delphinen, deren Überleben in der Wildbahn nicht mehr wahrscheinlich ist.

 

Der Verband der Zoologischen Gärten appelliert wegen dieser dramatischen Entwicklung an alle Verantwortlichen, nicht durch Verbote von einzelnen Tierarten unerlässliche Optionen für den Artenschutz zu gefährden. Vor dem Hintergrund eines entsprechenden Gesetzentwurfes in Frankreich warnen die Experten davor, beispielsweise die Haltung von Delfinen generell zu untersagen. „Wir befinden uns in einer kritischen Phase in puncto Artenvielfalt“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten, Volker Homes. „Die menschgemachten Probleme lassen die Lebensräume und natürlichen Ressourcen weltweit schnell schwinden, mit katastrophalen Folgen für die meisten Arten. Mit dem Chinesischen Flussdelfin und dem Vaquita dürften wir – weil das menschliche Eingreifen zu lange herausgezögert wurde – die ersten beiden Delfinarten bereits für immer verloren haben. Für die nächsten Arten sollten wir den Fehler des zu späten und zu zögerlichen Eingreifens nicht wiederholen.“

 

Homes verweist auf den gerade erschienen Bericht der Weltnaturschutzunion IUCN zu Delfinen. Dieser empfiehlt die Haltung der bedrohten Tiere als Reservepopulation in menschlicher Obhut, um durch spätere Auswilderung das Aussterben verhindern zu können. Diese Option darf nicht gefährdet werden. Denn erst die Haltung von Delfinen in menschlicher Obhut hat die wissenschaftlich geleiteten Zoos in die Lage versetzt, ihren Teil zum Erhalt der Biodiversität beizutragen: „Die Forschung an den Tieren in unseren Zoos hat in den letzten Jahrzehnten dringend benötigte Erkenntnisse hervorgebracht, die sich nun auf die bedrohten Arten in der Wildnis übertragen lassen und ex situ Handlungsoptionen eröffnen. Diese Synergien sind unerlässlich, wenn wir unser Ziel erreichen wollen – eine artenreiche Welt.“

 

Der Verband warnt auch aus leidvoller Erfahrung im Freiland davor, die Delfinhaltung auslaufen zu lassen. „Wir haben bei anderen Arten plötzliche und gravierende Einbrüche in den Populationen erlebt“, sagt Volker Homes. „So sind beispielsweise etwa 60 Prozent der wildlebenden Giraffen verschwunden – in nur wenigen Jahrzehnten.“

 

In Frankreich soll nach einem aktuellen Vorschlag in  Zukunft die Haltung von Orcas und anderen Delfinen auslaufen. Allerdings gibt es derzeit keine Zoos mit mindestens gleich hohen Haltungsstandards und keines der 29 fraglichen Tiere ist auf eine Auswilderung vorbereitet.